Geschichtliches


Auch wenn die Hirschberger Karnevalsgesellschaft offiziell im Jahr 1950 gegründet wurde reichen die Wurzeln dieses Brauchtums in Hirschberg einige Jahrhunderte zurück. Adelige Jagdherren wie Kurfürst Ernst von Bayern (1583-1612) und Kurfürst Max-Heinrich (1650-1688; er ließ das Hirschberger Schloss bauen, von dem heute leider nur noch ein Flügel steht) und auch Kurfürst Clemens-August (Erbauer des Hirschberger Tores) hatten großen Gefallen an der Narretei.
An dieser Stelle jedoch wollen wir ausschließlich auf die Jahre des offiziellen Bestehens des Hirschberger Karnevals Rückschau halten.

Motor der karnevalistischen Aktivitäten nach dem 2. Weltkrieg war der „Tanz- und Unterhaltungszirkel“, der sich bereits 1946 darum bemühte, eine Fastnachtsfeier zu veranstalten, was jedoch am Veto des damaligen Pastors zu scheitern drohte. Ein Kompromiß brachte für beide Seiten eine zufriedenstellende Lösung: Es wurde ein Kolping-Gesellenverein gegründet, der seines Zeichens eine karnevalistische Veranstaltung mit dem Segen des Pastors durchführen durfte.

Karnevalsveranstaltung bei Krämers (Sauerländer Hof) 1949

v.l.n.r. Werner Mimberg, Agnes Hüster, Paul Hüster, Helmut Massing, Irmgard Köster, Josefine Kümmeke, Norbert Assmann, Albert Reiter

Trotzdem wünschten sich die „Narren“ bald mehr Eigenständigkeit, was aber auch vor allem eine Frage der Kosten war. Diesmal kam ihnen die Musikkapelle entgegen, die den Karnevalisten anbot, kostenlos zu spielen. Sie wird in historischen Aufzeichnungen daher als „wahre Keimzelle der Hirschberger Fastnacht“ bezeichnet.

1949 im Sauerländer Hof

auf dem Stuhl: Willi Schleimer,

am Tisch: Werner Assmann, Ernst Schrewe, Heinrich Schreiber

Alles andere war schnell arrangiert: Den Elferrat stellte man aus jeweils 1-2 Männern aus den verschiedenen Vereinen zusammen, Präsident wurde Willy Schleimer, und zum Prinzenpaar proklamierte man August Schrewe und Trudy Hirnstein. Gefeiert wurde im Sauerländer Hof „auf drei Sälen und mit der Miste unter der Bühne“. Mit der „Hiärsbergske Knuiptange“ erschien sogar eine eigene Karnevalszeitung. Das war 1950. Ab diesem Jahr wurde jährlich ein buntes Fastnachtsprogramm auf die Beine gestellt.
Zwei Jahre später präsentierte sich der Elferrat stolz in vereinseigenen Uniformen. Die blaue Jacke mit rotem Revers ist seitdem Markenzeichen der Hirschberger KG.

Das Prinzenkostüm war ehemals in rot-weiß gehalten. Das erste vereinseigene Kostüm wurde 1972 angeschafft. Seit 1991 kleidet sich der Prinz in eine blau-weiße Garnitur mit aufgenähtem Hirschberger Wappen.

Fastnacht 1956 im Sauerländer Hof

Bühne: u.a. Prinzessin Renate Paulmann, Prinz Paul Böckeler, Hubert Dresbur, Alfred Bräutigam, Heinrich Schreiber, Irene Bräutigam, Agnes Bräutigam, Elisabeth Schmülling

Unten: u.a. Karl Haferkemper, Christa und Jutta Hermann, Robert Baronowsky

Die Rosenmontagszüge

Mit der Gründung der Hirschberger KG lebte auch die Tradition der Rosenmontagszüge bis 1954 kurzzeitig wieder auf. Vormittags tagte zunächst der närrische Stadtrat vor dem Rathaus. (siehe Foto rechts)

Der Elferrat übernahm dabei die Rollen von Bürgermeister und Stadtverordneten und parodierte besondere Begebenheiten aus vorangegangenen Ratssitzungen.

Mittags formierten sich die Teilnehmer des Umzuges in der Bache. Von dort aus marschierte die lustige Karawane durch die Stadt mit Endziel Kriegerehrenmal, wo der Prinz noch eine Dankansprache an das närrische Volk richtete. Abschließend veranstaltete die Gesellschaft einen großen Fastnachtsrummel im Sauerländer Hof, der übrigens bis heute das Vereinslokal der Karnevalsgesellschaft geblieben ist.

Der Prinzenwagen 1951

Kutscher August Rasch, Prinzenpaar Trudy Hirnstein und August Schrewe, Elferrat: Josef Bräutigam, Karl Köster, Heinrich Böckeler, Alois Craes

Im Jahre 1966 startete ein letztes Mal ein Rosenmontagszug in Hirschberg. Leider konnte dieses Brauchtum nicht erhalten werden, da die Versicherungskosten die finanziellen Möglichkeiten der Karnevalisten überstiegen.


Hier einige Eindrücke der letzten Rosenmontagszüge in Hirschberg

Elferrat 1955 auf dem Rosenmontagszug von 1955

v.l.n.r. Alfred Bräutigam, Albert Ulrich, Franz Mimberg, Hermann Nelle, Fritz Wasserhöfel

Närrische Damenkapelle beim RoMoZug

unter Stabführung von Irmgard Köster


Damals wie heute ein Thema für Hirschberger Narren:

Das Hirschberger Tor.

Abschluss des Rosenmontagszuges von 1955. Man versammelte sich vor dem heutigen Vereinslokal der KG um die Ansprache des Prinzen zu hören.

Nach dem letzten Rosenmontagszug im Jahr 1966 konzentrierte man sich mehr auf die Ausrichtung von 2 Kappensitzungen je Session, die es bis auf die Sessionen 1959, 1963, 1964 und 1965, ab 1955 jährlich gab.
Diese fanden in den 50er Jahren überwiegend in Baronowskys Sälen statt. Die Sessionen 1952/´53 und ´54/´55 feierte das Narrenvolk allerdings in der Schützenhalle. Zum Beheizen wurden zu dieser Zeit mehrere kleine Öfen aus Privathaushalten und die Kanonenöfen aus der Schule benutzt, so daß die Karnevalisten nachts Wache halten mußten, damit nichts passierte. Seit 1966 ist die Schützenhalle fester Veranstaltungsort.

Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre erlebte der Hirschberger Karneval eine leichte Durststrecke. Der zusammengewürfelte Elferrat stand mit etwa 15 Aktiven zeitweise auf sehr wackeligen Beinen. Diese Phase war 1966 aber überstanden, so daß die Narren ihr Fest damals unter das Motto: „Zehn Jahre war der Drache krank, jetzt tut er´s wieder, Gott sei Dank“ stellten.

Seitdem lud der Elferrat regelmäßig zur „Großen Prunksitzung mit Prinzenproklamation“ drei Wochen vor Fastnacht und zum „Großen Galaabend am Hofe des Prinzen" am Fastnachtssonntag ein. Der Eintritt zu den Veranstaltungen kostete bis 1969 3,- DM. Als es der Gesellschaft gelang, die damals 17jährige Gaby Baginski für einen Auftritt bei einer Kappensitzung zu engagieren, erhöhte man den Preis auf 5,- DM.

Kassierer Paul Schulte erinnert sich, daß der Verein nach dieser Session zum ersten Mal schwarze Zahlen bei der alljährlichen Abrechnung schreiben konnte. In den Jahren zuvor hatten die aktiven Narren beim „et Pulvere et Pulvere“ immer in die eigene Tasche greifen müssen, um den Kassenstand auszugleichen. Die Besucherzahlen schnellten von 400 auf etwa 800 bis 900 Personen je Sitzung, das bedeutete den Aufschwung für den Hirschberger Karneval. Dadurch bekam die Gesellschaft die Möglichkeit, ihr Programm nicht ausschließlich mit heimischen Akteuren aufzustellen, sondern auch überregional bekannte Gesichter des Karnevals zu verpflichten wie z.B. Fiete Münzner, den Kapitän der guten Laune oder westfälische Büttenasse wie Rudi Grevsmühl und Jupp Hoiboom. Solche Höhepunkte waren unumstritten besondere Anziehungspunkte für das Publikum.

ff